Luftsportverein Kreis Segeberg e.V.

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Lichtblicke in 2011
von Lars Hartwig am 07.11.2011
O
ft beginnt die Segelflugsaison nach der Winterpause ganz plötzlich mit Super-Fugbedingungen und unwiderbringlichen Flugerlebnissen; auch die zurückliegende Flugsaison überraschte in dieser Hinsicht.
So machten wir im Verein fast 12 % der diesjährigen Vereinsstreckenleistung von 19.377KM in der letzten Märzwoche. Und auch der April und Mai brachte tolle Überlandflugbedingungen.

Mich zog es zum Saisonbeginn erstmalig in die französischen Seealpen und es wurde für mich ein großes Erlebnis.
Über Ostern waren Ralf und ich für 2 Wochen in Frankreich in La Motte du Caire, manch einer nennt es auch "Gliders Paradise". Da das Revier nicht anspruchslos ist, bekommt dieser Ausdruck schnell einen faden Beigeschmack - so wird man auch gleich als erstes über Sicherheit im Gebirgsflug und die Statistik der letzten 10 Jahre belehrt.
Über Ostern waren Ralf und ich für 2 Wochen in Frankreich in La Motte du Caire, manch einer nennt es auch "Gliders Paradise". Da das Revier nicht anspruchslos ist, bekommt dieser Ausdruck schnell einen faden Beigeschmack - so wird man auch gleich als erstes über Sicherheit im Gebirgsflug und die Statistik der letzten 10 Jahre belehrt.

Der erste Tag vor Ort sollte zur Aklimatisierung und theoretischen Einführung genutzt werden - was wir auch dankend angenommen haben. Dazu kommt noch der administrative Aufwand: Die eigene Lizenz ist nicht viel wert in der Grande Nation, eine französische muss es sein. Die gibt es gegen Bares nach Vorlage der eigenen, nicht französischen Lizenz.

Am zweiten Tag gab es dann einen Einweisungsflug in die Flugplatzgegebenheiten und eine Startunterbrechung. Es muss nicht immer das unerwartete Ausklinken sein - man kann den Prüfling auch mit langsam nachlassender Windenleistung überraschen.

Das Wetter in Frankreich und genau in unseren beiden Wochen dort war schön, vor allem für Fußgänger. Schuld waren, wie aktuell, die Italiener, die uns mit einem mächtigen Gebiet defizitären Luftdrucks die Urlaubsfreuden reduzieren wollten. Trotzdem gab es einige Tage, an denen wir uns einen Doppelsitzer charterten und schöne Flüge absolvierten.

Das Flugzeug hatte auf dem Rumpf einen Blauwal als Aufkleber verpasst bekommen - und das zu Recht. Welch ein Brocken. Ein Twin Astir 1 mit festem Fahrwerk. Das bemerkenswerteste Detail ist die Verlängerung des Steuerknüppels, die man für den CoPiloten einfach an den Originalknüppel angeschweißt hat. Dass der Griff nun in die Scheibe des Fahrtmessers drücken kann - c'est la vie, kurzerhand die vordere Fläche des Griffes per Winkelschleifer abgeflacht, schon ist es nicht mehr ganz so schlimm.

Ungeachtet dieser Eigenheiten haben wir mit dem Twin einige sehr schöne Flüge absolviert, die z.T. auch im OLC zu sehen sind (siehe Link). Atemberaubend für mich, der ich zum ersten mal in den Bergen fliegen konnte, waren die Thermikverhältnisse. Das Vario spielt zuweilen virtuos im Sekundenbereich die komplette Palette ab, und das Fliegen gleicht manchmal eher dem Rodeoreiten. Es geht vielerorts richtig schnell hinauf - und wenn man nicht aufpasst, genauso schnell wieder abwärts. Vor allem beim Überqueren von Bergkämmen ist die Leewirkung beeindruckend. Binnen Sekunden sackt das Vario auf Anschlag - und bleibt dort kleben. Wenn man diese entscheidenden Sekunden mit dem Blick woanders ist, kann es schnell spannend werden. Da Ralf hier nicht zum ersten Mal unterwegs war, hatte ich ein gewisses "Sicherheitspolster" dabei. Ohne akribische Schulung im Gebirgsflug ist hier als Neueinsteiger nichts zu wollen.

Unser hier im OLC ausgewiesener Flug wollte erst gar nicht so wie wir. Der Windenstart, für Chartergäste natürlich nicht vergleichbar mit unseren Vereinskonditionen, verlief ganz gut. Der Hausberg, untypisch von den frz. Kollegen als "early morning" bezeichnet, hatte jedoch nichts zu bieten, außer kontinuierlichem Saufen. Nachdem die Alternativen schnell mit ähnlichen Ergebnissen abgeklappert waren, ging es zurück in die Platzrunde und zur Landung. Wir und die Stimmung am Boden, Brieftasche um 28,- leichter und der Tag gelaufen - so schien es. Nachdem wir uns noch ein Stündchen am Flugbetrieb als Bodencrew beteiligten, sah es jedoch zunehmend besser aus. Also, nochmal ran an den Start mit unserem Blauwal und los. Mit einem beherzten "plus vite" die Winde nochmal angespornt, und siehe da, wir kamen hoch und weg. Im Nachhinein waren wir richtig erschrocken angesichts der Tatsache, dass wir den Tag beinahe haben sausen lassen.

Einen kleinen Einblick in das Fliegen im Parcours - so nennt sich der Teil des östlichen Teils unseres Fluges - bietet das Video anbei. Dort ist übrigens größte Aufmerksamkeit geboten, geht es dort doch zu wie auf dem Nürburgring. Bei günstigem Wind kann hier kilometerlang die Nase nach unten gedrückt werden - mit enormem Tempo geht es dann voran und aufwärts zugleich.

Nach nicht ganz 4 Stunden sind wir dann wieder in La Motte du Caire gelandet - über beide Ohren grinsend angesichts des schönen Flugtages. Die Unterstützung durch den Chefpiloten vor Ort, Christian Schneeberger, sowie das sympatische Vereinsklima des Platzes machten den Urlaub zu einem ganz großen Lichtblick für dieses Jahr.

So anspruchsvoll das Gebirgsfliegen auch ist, es hat einen noch wichtigeren Haken: Es macht sofort süchtig. Der nächste Urlaub ist schon in Planung.

Viele Grüße
Lars
Video:





Angehängte Bilder:

Der Twin am Start, auf 1 Uhr der "early morning".
Der Twin am Start, auf 1 Uhr der "early morning".
(C) Lars Hartwig
Thermik.. im Hintergrund der "Parcours"
Thermik.. im Hintergrund der "Parcours"
(C) Lars Hartwig
Im Parcours auf 3.400m - es ist ein wenig schattig bei offenem Fenster.
Im Parcours auf 3.400m - es ist ein wenig schattig bei offenem Fenster.
(C) Lars Hartwig
Sehr zufriedenes Team. Danke an Ralf!
Sehr zufriedenes Team. Danke an Ralf!
(C) Lars Hartwig
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